Modellflugsport der Zukunft

Die Welt verändert sich. Der technologische Fortschritt entwickelt sich immer rasanter und dringt immer tiefer in unser tägliches Leben ein. Und so sind heute Dinge im Beruf aber auch in der Freizeit möglich, von denen man vor wenigen Jahren noch geträumt hat. Auch im Modellflugsport bzw. dem Modellbau wurden und werden Technologien entwickelt, welche ein unheimlich großes Betätigungsfeld eröffnen. Das führt natürlich dazu, dass für die Nutzung dieser Technologien neue Spielregeln geschaffen werden müssen. Zum einem, um die Sicherheit auf einem hohen Niveau halten zu können und zum anderen, um Interessenkonflikte so gut wie möglich zu vermeiden.

Dabei muss es nicht immer um den Luftraum gehen – nein, vielfach geht es auch um die Nutzung der „freien“ Natur – um hier nur einige Beispiele zu nennen: die Mountainbiker, die Rafting Fahrer, die Golf-Spieler, die Wanderer, die Tourengeher, die Bergsteiger, die Walker, …. alle wollen die „freie“ Natur. Kein Lärm, die „alleinige“ Nutzung für „meine/unsere“ Aktivität – es soll ja kein Tourismus werden!

Doch zurück zum Modellflug. Hier gab es in Österreich bis dato relativ wenige Regularien. Die Modellflugplätze sind größtenteils als Sportstätten gewidmet. Seit 1957 war die maximale Flughöhe für Flugmodelle gesetzlich mit 150 m festgelegt. Wenige Modellflugvereine haben sich für Flughöhen über 150 m über ein behördliches Verfahren eine Genehmigung eingeholt – begrenzt auf das jeweilige Modellfluggelände (Modellflugplatz). Das Fliegen in den Bergen (Alpen) wurde in seinem bisherigen Rahmen akzeptiert und geduldet.

So weit – so gut.

Der eingangs erwähnte technologische Fortschritt brachte in der unbemannten Luftfahrt in den letzten Jahren jedoch sehr viele Veränderungen. Der Drohnenflug entwickelte sich mehr und mehr und neue Absatzmärkte für die Produzenten von Drohnen wurden aufgebaut. Die Einfachheit und die problemlose Handhabung für jedermann brachte in der Folge den großen boom. Mitunter können Drohnen heute bereits im Lebensmittelhandel gekauft werden.

Und es kam der Ruf nach neuen Regularien. Wo darf man mit unbemannten Flugobjekten fliegen – ist es zulässig, dass jedermann allerorts fliegen darf ?

Eine einheitliche Regelung für den Betrieb von Flugmodellen und Drohnen wurde in der Folge drei Jahre lang diskutiert – in den europäischen Gremien, mit den Mitgliedsländern, mit den Interessenvertretungen und den unterschiedlichsten Stakeholdern. Am 24. Mai 2019 unterschrieb der Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die „Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 über die Vorschriften und Verfahren für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge“ (im Folgenden EU-VO 947 genannt).

Die Verordnung trat letztendlich am 31.12.2020 (bedingt durch die COVID-Pandemie) in Kraft und damit werden nunmehr die einzelnen Bestimmungen nach und nach gültig (mit Übergangsfristen). Dabei geht es aber nicht nur um die Vorschriften allgemein, sondern auch um die Auswirkungen der Verordnung auf den Modellflug der Zukunft.

Jetzt kann man in stunden- und tagelangen Diskussionen die Sinnhaftigkeit, die Gerechtigkeit, die Notwendigkeit und was weiß ich noch alles beleuchten. Man kann schimpfen, man kann „Schuldige“ suchen und man kann das Negative in den Vordergrund stellen. „Die da oben“ haben ja nichts gemacht – wo war die Interessensvertretung ?

An dieser Stelle:
„Die da oben“ waren am Verhandlungstisch und haben ihre Ideen und Anforderungen eingebracht. Das Ergebnis ist die EU-VO 947. Und ja, es ist der erste Wurf der nun Gültigkeit hat und umzusetzen ist. Und ja, natürlich wird es zukünftig Anpassungen geben (müssen). Das sind aber sinnvollerweise Anpassungen, welche aus der Anwendung der vorhandenen (neuen) EU-VO heraus entstanden sind.

Im Umkehrschluss:
Fangen wir endlich an, die bestehende Regelung in die Umsetzung zu bringen um die erforderlichen und notwendigen Anpassungen erkennen zu können. Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg.

Bei genauer Betrachtung der EU-VO 947 wird man viele Möglichkeiten finden, die eine oder andere Anforderung gut umsetzen zu können. Mit diesen Möglichkeiten wird man ganz gut zu seinen idealen Rahmenbedingungen kommen. Für den Modellflug ist es der Artikel 15, der Artikel 16, die Specific Kategorie, … hier ist Kreativität gefragt:

  • Wie können diese Elemente der EU-VO 947 für meinen Anforderungsfall angewendet werden ?
  • Wer hat welche Interessen – Nichtkommerziell, Kommerziell, Wirtschaft, Tourismus, … ?
  • Gibt es hier Möglichkeiten ?

Ich sage mit Überzeugung: JA !

Es gibt diese Möglichkeiten. Man (und damit meine ich alle Interessenten) muss sich „nur“ damit auseinandersetzen und man muss vor allem Zeit investieren – auch wenn es mühselig ist. Aber man kann die Zukunft damit gestalten – davon bin überzeugt.

Hier finden sich dafür ganz gute Dokumentationen:

Gesetzestext / Verordnung / Leitfaden

Europäische Gesetze und Verordnungen

Die Texte der erwähnten Regulierungen (EU-VO 947) stehen über die EU-Website EUR-Lex in 23 europäischen Sprachen zum Download bereit – hier der direkte LINK zur EU-VO 947.

Neuere Versionen sind in Wahrheit Ergänzungen, die für den Modellflug ohne Belang sind, weil sie neue Drohnen-Klassen bzw. sog. Standard-Szenarien für den Drohneneinsatz enthalten.

EASA-Leitfaden

Das wahrhaftig nicht einfache Gebiet wird auch mit einem sog. Guidance Material (GM) erläutert. Die EASA hat dazu einen 265 Seiten starken Leitfaden herausgegeben (auf Englisch). Dieser Leitfaden fasst alles Verfügbare in einer PDF-Datei zusammen (Stand: März 2020).

Dieser Leitfaden einhält Gesetz und Verordnungen, Anleitungen sowie Übersichten und Schaubilder. Der Vorteil der Sammlung in einem Dokument ist, dass über die Suchfunktion in einem Reader gezielt nach allen Erwähnungen eines Begriffes oder eines Themas quer durch das gesamte Material gesucht werden kann.

Kommentare und Interpretationen

Für den Österreichischen Aeroclub hat Bernhard Rögner am 24. Mai 2019 (!) die wesentlichen Paragrafen der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 in einer übersichtlichen Präsentation zusammengefasst.

Aktivitäten im ÖAeC

Im ÖAeC beschäftigt sich eine kleine beherzte Gruppe seit geraumer Zeit (nämlich seit dem Beginn der Erarbeitung der EU-VO) mit dieser Thematik. Diese Gruppe (Ing. Bernhard Rögner, Dr. Wolfgang Schober und meine Wenigkeit) hat sich dazu entschlossen, einen gemeinsamen Weg für den Modellflugsport (mit)gestalten zu wollen. Wir wollen die Zukunft des Modellflugsport in Österreich und da wo es geht auch in der EU mitgestalten und Lösungen finden, damit der Modellflugsport auch in Zukunft betrieben werden kann. Unterstützt werden wir von Wolfgang Semler, Thomas Tades und Kerstin Rohringer.

Wir haben uns für diesen Weg entschlossen und versuchen nunmehr, die Rahmenbedingungen dafür auszuarbeiten – in vielen Stunden in der Freizeit, am Wochenende, … wissentlich, dass man dafür oft angefeindet und beschimpft wird und hin und wieder an den Punkt kommt, wo man sich denkt: „Wozu das alles – ich könnte auch fliegen gehen oder ein Modell bauen“.

Aber die kleine beherzte Gruppe hat auch den Umgang damit gelernt. Die überwiegende Mehrheit der Modellflugpiloten anerkennt unsere Bemühungen und gibt uns auch sehr oft das Gefühl und die Rückmeldung, dass das was wir tun im Sinne der Modellflugsportgemeinschaft ist – an dieser Stelle unser herzlichster Dank dafür !

Ich lade daher alle Interessierten, Begeisterten und „Zukunftsgestalter“ zur Mitarbeit ein. Es wird einen Weg geben, der die Zukunft des Modellflugsport sicherstellt – davon bin ich und sind wir überzeugt.

Herzlichst

DI Christian Faymann, MA
Vizepräsident des Österreichischen AeroClub